• Google möchte meinen Stadort verbessern. Ich wäre dann gerne hier.
  • ... oder hier.
  • Das ist ein heißer Hund.
  • Kaffee erfolgreich hinzugefügt. körper.exe kann gestartet werden.

Leben danach

 

Zwillinge in der Gebärmutter unterhalten sich

"Glaubst du eigentlich an ein Leben nach der Geburt?"
"Ja, das gibt es. Unser Leben hier ist nur dazu gedacht, dass wir wachsen und uns auf das Leben nach der Geburt vorbereiten, damit wir stark genug sind für das was uns erwartet."
"Blödsinn, das gibt es doch nicht. Wie soll denn das überhaupt aussehen, ein Leben nach der Geburt?"
"Das weiß ich auch nicht genau. Aber es wird sicher viel heller als hier sein. Und vielleicht werden wir herumlaufen und mit dem Mund essen?"
"So ein Unsinn! Herumlaufen, das geht doch gar nicht. Und mit dem Mund essen, so eine komische Idee. Es gibt doch die Nabelschnur, die uns ernährt. Außerdem geht das Herumlaufen gar nicht, die Nabelschnur ist ja jetzt schon viel zu kurz“.
"Doch es geht ganz bestimmt. Es wird eben alles nur ein bisschen anders."
"Es ist noch nie einer zurückgekommen von 'nach der Geburt'. Mit der Geburt ist das Leben zu Ende. Und das Leben ist eine Quälerei und dunkel.."
„Auch wenn ich nicht so genau weiß, wie das Leben nach der Geburt aussieht, jedenfalls werden wir dann unsere Mutter sehen und sie wird für uns sorgen."
"Mutter? Du glaubst an eine Mutter? Wo ist sie denn bitte?"
"Na hier, überall um uns herum. Wir sind und leben in ihr und durch sie. Ohne sie können wir gar nicht sein!"
"Quatsch! Von einer Mutter habe ich noch nie etwas bemerkt, also gibt es sie auch nicht."
"Doch, manchmal, wenn wir ganz still sind, kannst du sie singen hören. Oder spüren, wenn sie unsere Welt streichelt."

(nach Henry Nouwen)

 

Die Raupe und der Schmetterling

Es gab mal eine kleine Raupe. Die lebte glücklich und zufrieden im Wald auf einem Ast. Diese Raupe liebte ihr Leben. Sie kletterte jeden Tag den Ast rauf und runter. Ihr Leben bestand aus Fressen, Schlafen und diesen Ast rauf und runter zu kriechen. Sie fühlte sich wohl. Doch eines Tages fühlte sich die Raupen unwohl: Sie fraß nicht mehr und wusste gar nicht wie ihr geschah. Sie verpuppte sich. Als sie erwachte hatte sie Flügel. Sie war ein Schmetterling geworden. Erst jetzt sah sie, dass der Ast auf dem sie ihr ganzes Leben so glücklich und zufrieden gelebt hat nur ein Bruchteil von dem war was sie jetzt sah: Den ganzen großen Wald in all seiner Pracht und Schönheit. Tausendmal größer als ihr bisheriges Leben.

 

 

Wenn die Raupen wüssten, was einmal sein wird
wenn sie erst Schmetterlinge sind,
sie würden ganz anders leben:
froher, zuversichtlicher und hoffnungsvoller.
Der Tod ist nicht das Letzte.
Der Schmetterling ist das Symbol der Verwandlung,
Sinnbild der Auferstehung.
Das Leben endet nicht, es wird verändert.
Der Schmetterling erinnert uns daran,
dass wir auf dieser Welt nicht ganz zu Hause sind.

Heinrich Böll

 

 

Wie könnte das ewige Leben sein?

Als sich herumsprach, dass die greise Frau, die schon so lange allein mitten zwischen ihren alten Büchern lebte, bald sterben würde, kamen Menschen von nah und fern, um ihr Fragen zu stellen nach dem richtigen Leben, nach dem Sterben und dem, was wohl nach diesem Leben kommt. Von ihr erhofften die Suchenden Antworten auf die Fragen, die ihr Herz bewegten.

Sie saß zwischen ihren Geschichtsbüchern und Büchern mit Geschichten, zwischen Büchern mit Gedichten, Büchern mit Sprüchen und Liebesbriefen, Büchern mit Träumen und Visionen.

"Fromme Leute glauben, es gäbe ein Leben nach diesem Leben", sagte ein Mann mit Skepsis in der Stimme, "sie nennen es Ewigkeit; doch ich frage mich, wie könnte sie sein, die Ewigkeit?"

"Die Ewigkeit", wiederholte die Frau, "die Ewigkeit, wie kann sie wohl sein?" Als sei sie gar nicht bei der Sache, beobachtete sie, während sie diese Worte langsam sprach, einen kleinen Käfer, der sich wohl verirrt hatte und über ihren Fußboden krabbelte. Sie bückte sich, ließ den Käfer auf ihre Hand. "Schaut, wie winzig!", sagte sie. "Seht ihr dieses kleine Tier. Es ist so klein. Doch wie es sich bewegt! Ist es nicht ein erstaunliches Geschöpf! Geschaffen mit Liebe. Ich bin voll Bewunderung. Da ist Liebe bis ins das kleinste Teil."

"Nicht das Kleinste, nicht danach fragte ich", sagte der Mann, "die Ewigkeit, wie das Leben nach diesem Leben ist, das ist die Frage, die mich bewegt." Andere nickten ihm zu. Ja, darauf wollte man eine Antwort erhalten.

Als hätte sie den Einwand nicht gehört und die Neugier nicht gesehen, schweifte der Blick der alten Frau nach oben. Die Blicke der Anwesenden folgten ihr, streiften die vielen alten Bücher, die Geschichtsbücher und die Büchern mit Geschichten, die Bücher mit Sprüchen, mit Liebesbriefen, mit Träumen und Prophezeiungen. Ihre Blicke trafen sich an der Decke des kleinen Raumes.

"Ich schaue nach oben, sagte die Frau, ich schaue in die Wolken, in den Himmel und weiter. Ich sehe den Mond, die Sonne die Sterne, die Unendlichkeit. Ich bin ergriffen vor Ehrfurcht. Welch eine Weite, welch eine Vollkommenheit, da ist Liebe bis ins fernste Detail!"

Einige der Anwesenden wurden unruhig, sollte sie doch nicht so weise sein, wie man sagt; da sie doch nicht einmal die einfachste Frage versteht! Eine junge Frau versuchte es noch einmal. Mit betonter Freundlichkeit sprach sie aus, was wohl auch die anderen jetzt dachten: "Sie sind alt, leben allein und sind zumeist vertieft in Ihre Bücher. Da haben Sie viel Zeit, das Kleinste zu bewundern und die Unendlichkeit zu bestaunen. Doch wir stehen mitten im Leben. Zumeist ist unsere Zeit sehr begrenzt und deshalb wissen wir wohl, dass auch unser Leben begrenzt ist. Also stellen wir uns doch manchmal die Frage, was am Ende unserer Zeit sein wird, wie sie wohl aussieht die Ewigkeit."

"Ich bin nur ein Mensch wie ihr", antwortete die alte Frau, "keine Prophetin. Eine schnelle Antwort, wie ihr sie erwartet, kann ich euch nicht geben."

"Wir werden es nie wissen, solange wir leben nicht, denn über die Grenze von Leben und Tod kann niemand schauen", sagte ein junger Mann enttäuscht, "die Ewigkeit ist unserer Erkenntnis verschlossen."

Etliche der Anwesenden wandten sich zur Tür, während andere wie vor Enttäuschung gelähmt, regungslos auf die alte Frau schauten.

"Liebe!" hörte man eine zarte Stimme. Mitten in die Unruhe hinein sprach ein Kind. Es stand zwischen den Erwachsenen; man hatte es bisher nicht wahrgenommen. "Liebe", wiederholte das Mädchen, "unendliche Liebe wird sein, was sonst? Wenn man das Kleinste nicht bewundert und über das Größte nicht staunt, erkennt man es nicht. Wenn man genau hinsieht, sieht man Liebe, Liebe im kleinsten Teil und Liebe bis in die unendliche Ewigkeit. Liebe wird sein, was sonst!"

 © Frank Maibaum
aus http://www.abschiedstrauer.de/das-ewige-leben.htm

 

 

Der Kleine Prinz kehrt zurück

Lebendige Liebe bleibt über das Leben hinaus lebendig;
sie ist das einzig Lebendige, dass ewig bestehen kann.

© Frank Maibaum

Die ganze Geschichte zu dem Zitat gibt es hier:
http://www.abschiedstrauer.de/kleiner-prinz-liebe-tod-abschied.htm

 

 

 

Wenn wir das Leben lieben, sollten wir den Tod
nicht fürchten, denn er kommt
aus derselben Hand.

(Mechelangelo Buonarroti 1475-1564)

 

Zwischen Schmerz und Leid hat Gott
neue Hoffnung gesetzt: Liebe!

(Fred Ammon 1930)

 

Ich möchte laut über die Mauern hinausrufen:

O bitte beachten Sie doch diesen herrlichen Tag!
Vergessen Sie nicht, wenn Sie noch so beschäftigt sind,
den Kopf zu heben
und einen Blick auf diese riesigen,
silbernen Wolken zu werfen und auf den
stillen blauen Ozean,
in dem sie schwimmen.

Beachten Sie doch die Luft, die vom leidenschaftlichen Atem der
Lindenblüten schwer ist, und den Glanz und die Herrlichkeit,
die auf diesem Tag liegen;
denn dieser Tag kommt nie, nie wieder!
Das Leben ist zu kurz und wir zu grosse Ignoranten.

(Rosa Luxemburg 1871-1919, aus: Brief an Hans Diefenbach, 13.08.1917)

 

 

Von Marie lerne ich heute: Jeder Tag ist es wert, in Dankbarkeit und wach wahrnehmend gelebt zu werden. Trotz Trauer und Schmerz, egal worüber, das Freuen nicht vergessen. Und die Liebe! Die ist doch immer noch das Größte!

(Annerose Lessing)
(Anm.: Marie ist im Sept. 2014, im Alter von 36 Jahren verstorben)